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		<title>Screenology #34: Nine</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 13:53:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sakkaden</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Day-Lewis]]></category>
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		<description><![CDATA[


(Illustration: Emma Isacson)
Das war einer dieser Tage. Kaum zu Hause angekommen, wollte ich gleich wieder raus. Das kann&#8217;s nicht gewesen sein. Also schletze ich ein Müsli runter und renne ins Kino. Ab heute läuft der neue Scorsese. Shutter Island. Immer wieder verschoben. Heute ist es soweit.
Ist es doch nicht. Die junge Dame an der Kasse [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/03/Nine.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-535" title="Nine" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/03/Nine.jpg" alt="Nine" width="497" height="280" /></a>(Illustration: Emma Isacson)</p>
<p>Das war einer dieser Tage. Kaum zu Hause angekommen, wollte ich gleich wieder raus. Das kann&#8217;s nicht gewesen sein. Also schletze ich ein Müsli runter und renne ins Kino. Ab heute läuft der neue Scorsese. <em>Shutter Island</em>. Immer wieder verschoben. Heute ist es soweit.</p>
<p>Ist es doch nicht. Die junge Dame an der Kasse erklärt meinem erst vorfreudigen, dann verblüfften, schliesslich enttäuschten Gesicht, dass heute gar nicht Donnerstag, sondern Mittwoch sei und der Film darum gar nicht laufe. Missmutig studiere ich das Programm. &#8220;Welchen Ersatz können Sie mir denn empfehlen?&#8221; Sie meint tröstend: &#8220;<em>Lovely Bones</em> soll gut sein. Obschon ziemlich traurig.&#8221; Ich sage: &#8220;Na gut. Geben Sie mir ein Ticket für <em>Nine</em>.&#8221;</p>
<p>Im Trafo 1? Den grössten Saal für das All-Star-Musical, das so zerrissen wurde? &#8220;Für die Programmierung unterliegen wir gewissen Einschränkungen&#8221;, sagt die nette, junge Dame. &#8220;Manche Filmverleiher knüpfen Bedingungen an den Film. Sie schreiben vor, dass er in den Startwochen im grössten Saal läuft.&#8221;</p>
<p>Ich muss warten, trinke Cola Zero und beobachte die Leute, ausschliesslich Frauen, zu zweit, zu dritt, in grossen Gruppen, sie gehen aufs Klo, lachen und verschwinden im Trafo 2. Ich halte es nicht mehr aus und frage den Platzanweiser: &#8220;Entschuldigen Sie, welcher Film läuft denn im Trafo 2? Warum gehen dort nur Frauen hinein?&#8221; Er schaut nach: &#8220;<em>Valentine&#8217;s Day</em>.&#8221; Wir lachen beide.</p>
<p>Ich sitze in der Reihe 8, Platz 15, volles Leinwandvergnügen und Bewegungsfreiheit für die Beine, weil da ein breiter Gang Platz macht. Bloss sitzen nun zwei Frauen neben mir, die wahrscheinlich vor lauter Plaudern zu spät dran waren für <em>Valentine&#8217;s Day</em>, sich drum nur mässig für den Film interessieren und frischfröhlich in normaler Lautstärke schwatzen, als hätten sie sich Jahre nicht mehr gesehen. Ich zische. Für fünf Minuten ist es ruhig.</p>
<p>Der Film? Ein Musical mit manch guter Nummer und abgedroschener Story. Irgendetwas Überambitioniertes zwischen Fellinis <em>8 1/2</em> und Bob Fosses <em>All that Jazz!</em>, dem der Mut abhanden gekommen ist und der nun flau daher plätschert. Daniel Day-Lewis, der den Regisseur in der Schaffenskrise spielt, ist die Lebensgier nicht anzumerken, auch nicht die einstige. Was wollen denn all die Frauen von ihm? Kidman, Cruz und Cotillard sind wie gewohnt eine Klasse für sich. Auch Judi Dench. Und Sophia Loren konzentriert sich darauf, ihr Gesicht so wenig als möglich zu bewegen. Nun ja, vielleicht kann sie es auch gar nicht mehr bewegen. Anyway, who cares.</p>
<p><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg"><img title="Auge leer" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg" alt="Auge leer" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge leer" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg" alt="Auge leer" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge leer" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg" alt="Auge leer" width="28" height="16" /></a></p>
<p>(Nine, USA 2009, Regie: Rob Marshall, Schauspieler: Daniel Day-Lewis, Marion Cotillard, Penelope Cruz, Nicole Kidman, Judi Dench, Kate Hudson, Sophia Loren)</p>
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		<title>David Lynch: &#8220;Dark Splendor&#8221; in Brühl, Deutschland</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Mar 2010 09:59:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sakkaden</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Brühl]]></category>
		<category><![CDATA[David Lynch]]></category>
		<category><![CDATA[Max-Ernst-Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Splendor]]></category>

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		<description><![CDATA[
Chris Rodley: Empfinden Sie die Malerei noch immer als Ihre Hauptbeschäftigung, aus der alles andere entsteht?
David Lynch: Ja. Die Malerei kann wahre Aussagen über alle Aspekte des Lebens machen. Das Gleiche gilt für die Musik. Es gibt Dinge, die sich mit Worten nicht ausdrücken lassen. Darum geht es in der Malerei und beim Filmemachen. Es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-542" title="bruhl-pastel" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/03/bruhl-pastel.jpg" alt="bruhl-pastel" width="459" height="317" /></p>
<blockquote><p>Chris Rodley: Empfinden Sie die Malerei noch immer als Ihre Hauptbeschäftigung, aus der alles andere entsteht?</p>
<p>David Lynch: Ja. Die Malerei kann wahre Aussagen über alle Aspekte des Lebens machen. Das Gleiche gilt für die Musik. Es gibt Dinge, die sich mit Worten nicht ausdrücken lassen. Darum geht es in der Malerei und beim Filmemachen. Es gibt Wörter, und es gibt Geschichten, und mit dem Film kann man Dinge erzählen, die man mit Worten nicht erzählen kann. Das ist die wunderbare Sprache des Kinos. Es hat etwas mit Zeit und Simultanität zu tun und all den Regeln der Malerei. Die Malerei zieht sich durch alles hindurch.</p>
<p>(Rodley, Chris: Lynch über Lynch. Frankfurt am Main, 2006)</p></blockquote>
<p>David Lynch war zuerst Maler und Zeichner, bevor er zum Film kam. Und zum Film kam er über den Animationsfilm. So sind im Max-Ernst-Museum in Brühl, das von Köln aus leicht zu erreichen ist, nicht nur seine Bilder, sondern auch vier seiner wenig bekannten Kurzfilme aus seiner Anfangszeit zu sehen.</p>
<p>Was Lynch am besten kann, nämlich eine eindringliche Atmosphäre aus Bild, Geräuschen, Musik und Text schaffen, welche verdrängte Tiefen in uns schwingen lässt, das versucht er auch in dieser Ausstellung. Gelingen tut es ihm nur teilweise.</p>
<p><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/03/Lynch-Distorted-Nude.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-540" title="Lynch Distorted-Nude" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/03/Lynch-Distorted-Nude.jpg" alt="Lynch Distorted-Nude" width="304" height="444" /></a></p>
<p>Grossartig sind die Fotografien, insbesondere die Reihe &#8220;Distorted Nudes&#8221;, wo er nackte Frauenkörper digital zerstückelt und in verfremdeter Form wieder zusammensetzt. Das ist Lynch pur, weil er mit Seherwartungen spielt, sie nicht nur unbefriedigt lässt, sondern auch Ängste an die Oberfläche bringt, die uns erschrecken, weil sie in uns und nicht in den Bildern stecken.</p>
<p>Ebenso irritierend und darum spannend war eine kurze, farbige Fotoreihe, die Gesichtspartien in kräftigen Farben und kleinen Scharfbereichen zeigte. Die Ästhetik des ersten Blicks verfliegt beim genaueren Hinsehen und man ist plötzlich fasziniert von der deckenden Schicht Make-up und Lippenstift. Was sehen wir, wenn wir Haut sehen, die keine ist?</p>
<p><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/03/lynch1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-541" title="lynch1" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/03/lynch1.jpg" alt="lynch1" width="203" height="142" /></a></p>
<p>Die schwarzgrauen Aquarelle oder Lithografien, welche Worte oder kurze Texte in einen Zusammenhang mit angedeuteten Klecksen oder groben Strichen bringen, funktionieren hin und wieder und schwemmen Fragen ins Bewusstsein. Mit der Menge verlieren diese Bilder &#8211; und es gibt viele von ihnen &#8211; die Wirkung. Zudem zeigt es einmal mehr, wie schwierig es ist, Schrift und Bild zu einem mehrschichtigen Ganzen zu vereinen. Oft engen Worte ein, die Bilder öffnen.</p>
<p>Langweilig waren vor allem seine alten Foto-Reihen über die Industrie und über Vorstadt-Schneemänner, die schmelzen. Idee und Ausführung wirken veraltet. Auch die Klanginstallationen tragen nicht viel bei. Das hat Lynch in all seinen Filmen schon besser gemacht.</p>
<p>Die Ausstellung &#8220;Dark Splendor&#8221; ist ein Erfolg für das Max-Ernst-Museum in Brühl. Sie zeigt die Facetten eines grossen Künstlers. Hoffen wir, dass er wieder abkommt, seine grossartigen Visionen an die &#8220;Universität des unbesiegbaren Deutschland&#8221;, welche die Mönche der Transzendentalen Meditation in Berlin bauen wollen, zu verschwenden, und sie stattdessen wieder in die Kunst &#8211; egal ob Malerei, Fotografie, Film oder Musik &#8211; investiert.</p>
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		<title>Screenology #33: A Serious Man</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 16:19:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sakkaden</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[A Serious Man]]></category>
		<category><![CDATA[Ethan Coen]]></category>
		<category><![CDATA[Joel Coen]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Stuhlbarg]]></category>

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		<description><![CDATA[(Illustration: Emma Isacson)
Der Saal schliesst für einen Moment sein grosses Auge und wird dunkel. Der Film beginnt und allmählich verebben die Gespräche. Vorne links, wo das grünweisse Rennmännchen knapp dem Feuer entkommt, blinzelt die Türe und das Sterk-Fräulein im roten Gilet lässt drei Männer hinein. Sie drängen sich an uns vorbei, prosten laut, und ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/03/ASeriousMan.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-530" title="ASeriousMan" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/03/ASeriousMan.jpg" alt="ASeriousMan" width="497" height="279" /></a>(Illustration: Emma Isacson)</p>
<p>Der Saal schliesst für einen Moment sein grosses Auge und wird dunkel. Der Film beginnt und allmählich verebben die Gespräche. Vorne links, wo das grünweisse Rennmännchen knapp dem Feuer entkommt, blinzelt die Türe und das Sterk-Fräulein im roten Gilet lässt drei Männer hinein. Sie drängen sich an uns vorbei, prosten laut, und ich brumme zu Tristan: „Scheiss-Samstagabendpublikum.“ Aber der grunzt bloss „Ach, ich will auch“, steht auf und geht kurzerhand zwei Bier holen. Noch bevor er wieder sitzt, fragt er: „Habe ich etwas verpasst?“</p>
<p>Bei Larry Gopnik, einem jüdischen Physikprofessor in einer amerikanischen Kleinstadt, geht alles schief. Die Kinder nehmen ihn nicht ernst, sein Schwager nervt, die Frau will die Scheidung, ein Student erpresst ihn, anonyme Briefe verhindern die akademische Karriere. Wie das Leben halt so spielt. Aber warum ich?, fragt sich der grundanständige Gopnik und sucht, derweil sich Unglück an Unglück reiht, Rat bei den drei Rabbis seiner Kommune.</p>
<p>Der erste meint: „Schauen Sie sich diesen Parkplatz an, das ist eine Frage der Wahrnehmung. Öffnen Sie Ihre Augen.“ Der zweite erzählt ihm eine Geschichte von einem Zahnarzt, der bei einem Patienten an der Innenseite der Zähne die hebräische Botschaft „Hilf mir!“ entdeckt und verzweifelt nach der Ursache forscht. „Was soll diese Geschichte bedeuten?“, fragt Gopnik. „Ist das wichtig? Wir können nicht alles wissen!“, verwirft der Rabbi die Hände.</p>
<p>Unterdessen schlägt das Schicksal unvermindert auf Hiob ein. Zum dritten – dem ältesten! dem weisesten! – Rabbi wird er nicht einmal vorgelassen, sein bekiffter Sohn Danny hingegen schon, weil seine Bar Mitzwa diese Ehre für ihn bereithält. Der geheimnisvolle Rabbi gibt ihm das beim Thora-Unterricht konfiszierte Radio zurück und zitiert aus einem Song von <em>Jefferson Airplane</em>: „Wenn die Wahrheit zur Lüge wird, wenn die Lebensfreude in dir stirbt, was dann?“</p>
<p>Schon bald kommt der Abspann, die Samstagabendmeute steht auf, die drei Männer drücken sich in ihren H&amp;M-Streifenpullover an uns vorbei, die Bierflaschen fallen klirrend unter die Sitze. „Sag was Kluges für deine Kolumne“, raunt Tristan. „Nun ja, offenbar gibt es keine Antworten auf die Leiden des Lebens“, sage ich. „Ho! Ho! Das ist aber weise!“, lacht Tristan.</p>
<p>Ich beachte ihn nicht: „Der letzte Rabbi hat Recht. Was bleibt uns denn? Wir können grad so gut Rock’n Roll hören. Wir erfinden tagtäglich Kausalketten so lange wie Gopniks mathematische Gleichungen an der riesigen Wandtafel, basteln verbissen an unseren Lebensläufen und kriegen im Vakuum des Warums trotzdem keinen Boden unter die Füsse. Der Kälte des Zufalls entkommen wir nicht.“ Tristan schaut mich an, als bereue er schon, dass er mich aufgefordert hat. Schnell will er das Thema wechseln: „Und was soll die amerikanische Flagge am Schluss?“</p>
<p>„In amerikanischen Blockbustern weht sie jeweils das triumphale Ende herbei. Hier wird sie vom Tornado zerrissen. Hollywood gaukelt uns vor, dass wir unseres Glückes Schmied sind. Wir müssen uns nur anstrengen. Die Coen-Brothers halten uns Larry Gopnik entgegen, der seine Bestrafung verstehen will. Erst dadurch wird er schuldig. Er sucht Verbindungen zwischen den Zufälligkeiten. Er weigert sich die Unkontrollierbarkeit des Lebens anzuerkennen. Das ist gleichzeitig kafkaesk und postmodern, weil&#8230;“ Tristans Lachen platzt in den leeren Saal. „Sieh dort. Auf dem Abspann“, gluckst er. „No Jews were harmed while making this film.“</p>
<p><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-428" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-429" title="Auge leer" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg" alt="Auge leer" width="28" height="16" /></a></p>
<p>(A Serious Man, USA 2009, Regie: Joel und Ethan Coen, Schauspieler: Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Fred Melamed, Sari Lennick)</p>
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		<title>Screenology #32: Avatar</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Feb 2010 17:58:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sakkaden</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Avatar]]></category>
		<category><![CDATA[James Cameron]]></category>
		<category><![CDATA[Sam Worthington]]></category>
		<category><![CDATA[Sigourney Weaver]]></category>
		<category><![CDATA[Zoe Saldana]]></category>

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(Collage: Emma Isacson)
- Und? Sag schon, wie ist dein Urteil?
- Wie oft hast du ihn nun gesehen?
- Das war das dritte Mal. Aber irgendwie hat die Shutterbrille nicht funktioniert. Null 3D-Effekt diesmal.
- Das kommt vom Kiffen, Tristan. Deine Augen sind zu langsam. Mir wurde ziemlich schwindlig, als Shack vom Geklippe in die Tiefe blickte. Schon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/02/Avatar.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-526" title="Avatar" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/02/Avatar.jpg" alt="Avatar" width="510" height="284" /></a></p>
<p>(Collage: Emma Isacson)</p>
<p>- Und? Sag schon, wie ist dein Urteil?</p>
<p>- Wie oft hast du ihn nun gesehen?</p>
<p>- Das war das dritte Mal. Aber irgendwie hat die Shutterbrille nicht funktioniert. Null 3D-Effekt diesmal.</p>
<p>- Das kommt vom Kiffen, Tristan. Deine Augen sind zu langsam. Mir wurde ziemlich schwindlig, als <em>Shack</em> vom Geklippe in die Tiefe blickte. Schon eindrücklich.</p>
<p>- Ja? Hat er dir gefallen?</p>
<p>- Die Bilder sind geil.</p>
<p>- Und sonst?</p>
<p>- Naja, ich weiss nicht, die Frage ist doch: Wiegt die orgiastische Bilderwelt und die zweifellos beeindruckende Cinematographie die lächerliche Geschichte auf?</p>
<p>- Aber die Geschichte ist doch gute Unterhaltung. Ein bisschen Öko- und Ethnokitsch, eine Liebesgeschichte, klare Grenzen zwischen Gut und Böse, zweidrei Lacher und viel Action. Was willst du mehr?</p>
<p>- Ich habe keine Probleme mit der Phantasiewelt. Ich kaufe ihm all die Tiere, all die physikalischen Besonderheiten, ich kaufe ihm sogar den MacGuffin <em>Unobtainium</em> ab, obwohl das ein saudoofer Name ist und mir nie klar wurde, warum dieser Bodenschatz den Menschen so wichtig ist.</p>
<p>- Ist doch scheissegal. Ist ihnen halt einfach wichtig. Energie und so.</p>
<p>- Aber die Dialoge sind lausig und manche Wendepunkte der Geschichte sind ungenügend motiviert.</p>
<p>- Beispiel?</p>
<p>- Also gut. Der Dialog, als Jack Sully seiner blauen Herzensdame erklärt, dass er geschickt wurde, um sie von einer Umsiedlung zu überzeugen, und ihr also gesteht, sie angelogen und ausgenutzt zu haben, ist derart unbeholfen, dass ich beinahe lachen musste. Und warum eigentlich sagt ihnen nie jemand, dass sie auf den grössten Unobtainium-Vorkommen sitzen? Ist das auch nicht wichtig? Seine Rede als Anführer – zur Anstachelung der Na’vis vor der entscheidenden Schlacht gedacht – hätte mich wahrscheinlich zum Deserteur gemacht. Das ist einfach schlecht geschrieben.</p>
<p>- Mann, bist du pingelig! Und was ist mit den Wendepunkten?</p>
<p>- Das Militär hat seltsamerweise keinen Zugang zu irgendwelchen Avatars, in denen sie ausgebildete und loyale Soldaten stecken könnten. Weil sie so teuer sind, wird suggeriert. Steckt das amerikanische Militär der Zukunft in Budget-Nöten? Hat nicht so ausgesehen. Die Wissenschafter stecken einen querschnittgelähmten Ex-Marine in den superteuren Avatar. Weil der Avatar so teuer ist und weil Jack Sully der einzige mit derselben DNA ist. Und im Garten tummeln sich plötzlich Dutzende solcher Menschen-Na’vis?! Plötzlich muss unbedingt gegen die Na’vis losgeschlagen werden. Es gibt keinen Aufschub. Warum? Zuvor haben sie Monate gewartet. Woher die Dringlichkeit? Mister Cameron, was hat zur Krise geführt? Michelle Rodriguez kann einfach den Befehl verweigern und ihr Manöver abbrechen, ohne je bestraft zu werden. Dabei wirkte gerade ebendieser Colonel so, als wäre er nicht gerade sehr nachsichtig.</p>
<p>- Mann, hör auf, du verdirbst mir den Film.</p>
<p>- Die Wissenschafter können ungehindert ihr Labor in der Hochsicherheitszone abbrechen und in der ach so wahnsinnig gefährlichen Wildnis einen Container hinstellen und dort arbeiten. Wer hat hier überhaupt das Sagen? Bezahlt das Unternehmen, das mit Unobtainium handelt, die ganze Operation?</p>
<p>- Ist ja gut. Es reicht.</p>
<p>- Und die Musik! Ich habe noch gar nicht von der Musik gesprochen!</p>
<p>- Hör auf. Spar dir dein superkritisches Gelaber für deinen Kolumnenscheiss. Eines möchte ich aber noch wissen. Wiegen die Bilder nun die Geschichte auf?</p>
<p>- Irgendwie schon. Das macht den Film zwar nicht zu einem Meisterwerk, aber zu einem total neuartigen Erlebnis, das schlussendlich ziemlich unterhaltsam war.</p>
<p>- Na also. Nun lass uns eins kiffen.</p>
<p><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-429" title="Auge leer" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg" alt="Auge leer" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge leer" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg" alt="Auge leer" width="28" height="16" /></a></p>
<p>(Avatar, USA 2009, Regie: James Cameron, Schauspieler: Sam Worthington, Zoe Saldana, Sigourney Weaver)</p>
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		<title>Screenology #31: Where the Wild Things Are</title>
		<link>http://sakkaden.swissblog.ch/2010/01/30/screenology-31-where-the-wild-things-are/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Jan 2010 23:26:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sakkaden</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Catherine Keener]]></category>
		<category><![CDATA[Max Records]]></category>
		<category><![CDATA[Spike Jonze]]></category>
		<category><![CDATA[Where the Wild Things Are]]></category>

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		<description><![CDATA[
Ganz gemütlich bei einem Brunch wollte Sara über die Sache reden, über die Sache, die entsteht, wenn mein bester Freund mit meinem besten Flirt. Ganz ungemütlich bin ich dann abgehauen. Habe die Türe geschletzt, bin die Treppe hinab gepoltert und durch die einsamen Sonntagsgassen gestapft. Sara und Tristan waren nebeneinander gesessen. Ich ihnen gegenüber. Sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/01/screenology31web.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-524" title="screenology#31web" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/01/screenology31web.jpg" alt="screenology#31web" width="510" height="273" /></a></p>
<p>Ganz gemütlich bei einem Brunch wollte Sara über die Sache reden, über die Sache, die entsteht, wenn mein bester Freund mit meinem besten Flirt. Ganz ungemütlich bin ich dann abgehauen. Habe die Türe geschletzt, bin die Treppe hinab gepoltert und durch die einsamen Sonntagsgassen gestapft. Sara und Tristan waren nebeneinander gesessen. Ich ihnen gegenüber. Sie hatten sich vertrauensvolle Blicke zugeworfen. Ich hatte erzählt. Sie aber hatten gekichert. Über irgendetwas, das ich nicht verstand. Ich war abgehauen. Ins Nachmittagskino.</p>
<p>Nun, nach dem Film, steige ich reumütig die Treppe hoch, zögere, sehe Licht durch den Vorhang der Glastüre, höre gedämpfte Stimmen. Ich klopfe leise. Sara macht auf, nimmt mir den Mantel ab: „Möchtest du einen Kaffee?“ Ich sage: „Ich habe mir <em>Where the Wild Things Are</em> angeschaut. Den neuen Spike Jonze. Kannst du dich an <em>Being John Malkovich</em> erinnern?“</p>
<p>Tristan schlurft aus Saras Zimmer an mir vorbei in die Küche, gibt mir eine schmerzhafte Kopfnuss, öffnet drei Bier und bietet Zigaretten an: „Wie war der Film?“</p>
<p>Ich weiss nicht, wo ich anfangen soll, und stammle. „Wisst ihr&#8230; Also, das mit euch&#8230; Ich meine, was ich sagen will: Schon okay.“ Die Beiden schauen mich grossäugig an und als ich meinen Blick auf Sara richte, senkt sie den ihren. „Wirklich“, sage ich. Tristan starrt mich an und fragt wieder: „Wie war der Film?“</p>
<p>„Nun ja, weisst du, dieser Junge im Film, Max, er will spielen, hat niemanden, macht ein Iglu, die Freunde seiner Schwester zerstören es, die Schwester lässt ihn ihm Stich, seine Mutter nimmt einen Mann nach Hause, Max dreht durch. Tönt wie immer, ist aber mit einer derart berührenden Intensität gefilmt, dass die schnellen Stimmungswechsel des Kindes völlig glaubhaft werden.“</p>
<p>Tristan rülpst und sagt: „Ich dachte, da kommen so Zottelriesen vor.“ Ich schaue Sara an, die gute Miene macht. Also erzähle ich weiter: „Jaja, Max geht nun auf eine Insel, wo die Wilden Kerle wohnen. Sie wollen ihn auffressen, aber weil er sich wehrt, wird er ihr König. Erst tut ihm alles gut. Sie machen Krach und wilde Spiele, wollen mit ihm befreundet sein, wollen nur Glück und Freude. Dann schleichen sich die Probleme von zu Hause auch in seine Phantasiewelt. Eifersucht, Selbstsucht, Sehnsucht.“</p>
<p>Sara steht auf und räumt Sachen vom Tisch, leert den Aschenbecher. Tristan holt Bier: „Nichts für mich. Hört sich eher nach einem Brabbelfilm an.“ Sara fragt interessiert: „Wie hat er dir gefallen?“</p>
<p>„Ich habe mich verstanden gefühlt. Unwillkürlich ging mir jede Regung von Max und den Wesen unter die Haut. So funktioniert die Kinderwelt. Was Lust macht, jetzt, ist gut. Was Unlust macht, ist schlecht. Freunde sind keine Plüschtiere. Sie antworten mit ihren eigenen Bedürfnissen. Max lernt auf zauberhafte Art und Weise eine der schwierigsten Lektionen der Sozialisation. Das Wir ist ohne ein bisschen Ich-Verlust nicht zu haben.“</p>
<p>Tristan ist kein Mann der grossen Worte, aber immerhin ein Mann der Gesten. Er streckt mir sein Bier hin, wir prosten. „Werd erwachsen, Trotzkoppe“, sagt Tristan. Die Sache ist gegessen. Mit Sara werde ich wohl ein anderes Mal sprechen müssen.</p>
<p><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-428" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-429" title="Auge leer" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg" alt="Auge leer" width="28" height="16" /></a></p>
<p>(Where the Wild Things Are, USA 2009, Regie: Spike Jonze, Schauspieler: Max Records, Catherine Keener)</p>
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		<title>Screenology #30: Bright Star</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Jan 2010 21:07:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sakkaden</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Abbie Cornish]]></category>
		<category><![CDATA[Ben Wishaw]]></category>
		<category><![CDATA[Bright Star]]></category>
		<category><![CDATA[Jane Campion]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Schneider]]></category>

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(Illustration: Emma Isacson)
&#8220;Schon Pause&#8221;, sage ich und lehne mich zufrieden zurück. Jane Campion erzählt auf berührende Weise &#8211; aber ohne in die Kitschfalle zu tappen &#8211; das Wachsen einer Liebe zwischen einer jungen Frau, die selbstbewusst ihre extravaganten Kleider zur Schau stellt sowie schlagfertige Wortgefechte führt, und dem mittellosen Dichter John Keats, dessen Schreiben erst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/01/BrightStar1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-519" title="BrightStar" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/01/BrightStar1.jpg" alt="BrightStar" width="502" height="271" /></a></p>
<p>(Illustration: Emma Isacson)</p>
<p>&#8220;Schon Pause&#8221;, sage ich und lehne mich zufrieden zurück. Jane Campion erzählt auf berührende Weise &#8211; aber ohne in die Kitschfalle zu tappen &#8211; das Wachsen einer Liebe zwischen einer jungen Frau, die selbstbewusst ihre extravaganten Kleider zur Schau stellt sowie schlagfertige Wortgefechte führt, und dem mittellosen Dichter John Keats, dessen Schreiben erst nach seinem Tod Berühmtheit erlangte.</p>
<p>&#8220;Schon? Schon, sagst du? Ihr wollt den Film zu Ende schauen?&#8221; Ich sitze zwischen Sara und Meryem. Sara mag Schnulzen. Sie schwelgt. Schweigsam. Meryem mag Zweiohrküken. Und Meryem mag keine langen Einstellungen mit Blicken, denen man die Spannung aus dem Gesicht lesen muss. &#8220;Da passiert ja nichts&#8221;, sagt sie. Sara schaut sie fragend an: &#8220;Ach ja? Ich finde, da passiert allerhand.&#8221; Meryem steht auf, steckt sich eine Zigarette in den Mund. &#8220;Ach du! Du hast nichts zu melden. Du bist verliebt. Du würdest jeden Schwulst aufsaugen.&#8221; Sagts und geht raus.</p>
<p>Jetzt sitzen wir alleine hier. Sara und ich. Die Gelegenheit, sie nun nach Tristan zu fragen, wäre günstig. Zu fragen, ob, da sie ja offenbar verliebt sei, das vielleicht etwas mit Tristan zu tun haben könnte. Und da ja Tristan mein Freund, also, eigentlich einer meiner besten Freunde, wenn ich&#8217;s bedenke, würde ich sagen, er ist mein bester, und weil ja Sara und ich, nun, jedenfalls früher, da war doch was. Zwischen uns. Ob&#8230; Nun, die Gelegenheit wäre günstig, aber ich bin ausserstande die lauschige Art und Weise, wie Sara ihren Kopf auf meine Seite neigt und zufrieden ins Leere lächelt, zu stören.</p>
<p>&#8220;Überall sind Wände&#8221;, sage ich stattdessen. &#8220;Immer sind Wände dazwischen. Oder Fenster. Türen. Sie steht im Garten, er am Fenster. Er zieht mit seinem Freund Charles Brown nebenan ein. Sie klopft an die Türe. Immer ist etwas dazwischen. Sie werden stets von Samuel, ihrem Bruder begleitet. Oder Charles Brown macht abschätzige Bemerkungen.&#8221; Sara schaut mich träumerisch an: &#8220;Ja, und trotzdem lieben sie sich. Trotzdem können sie einander nicht aus dem Weg gehen.&#8221; Ich werde plötzlich wütend. Ich vermute Tristan in ihren Gedanken. &#8220;Nein, nicht trotzdem, sondern gerade deswegen. Weil sie sich nicht haben dürfen, lieben sie sich. Liebe ohne Widerstand ist wie Heldentum ohne Hindernisse.&#8221;</p>
<p>Nach dem Film trinken wir Wein und Meryem meint: &#8220;Ich hatte viel Zeit, die Einrichtung zu studieren. Die Nischen mit den gepolsterten Bänken fand ich super. Leider machen sie die heute nicht mehr. Aber genau so eine Fensternischenbank möchte ich.&#8221; Sara und ich lachen. Meryem ist erfrischend. &#8220;Und das Kind ist vom Pöstler. Der hatte als Einziger rote Haare.&#8221;</p>
<p>Sara sagt: &#8220;Wie Jane Campion die Entwicklung dieser jungen Frau gezeigt hat, fand ich sehr eindrücklich. Am Anfang war sie rechthaberisch und rebellisch. Mit der Liebe ist eine Frau aus dem Mädchen geworden. Das Eingestehen ihrer Verletzlichkeit hat sie stark gemacht. Plötzlich stand nicht mehr ihr Bemühen um Anderssein im Vordergrund, sondern ein gewachsenes Sichselbstsein. Kein störrisches Ich-will, sondern ein echtes Das-bin-ich.&#8221; Nachdenklich schaue ich Sara an und frage mich, ob sie wirklich von Fanny Brawne spricht.</p>
<p><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-428" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-429" title="Auge leer" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg" alt="Auge leer" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge leer" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg" alt="Auge leer" width="28" height="16" /></a></p>
<p>(Bright Star, 2009, Regie: Jane Campion, Schauspieler: Abbie Cornish, Ben Wishaw, Paul Schneider)</p>
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		<title>Gesöff</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Jan 2010 13:51:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sakkaden</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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Auszug aus der zehnteiligen Serie Gesöff (Lägerebräu 2009)
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Serie Gesöff" href="http://sakkaden.swissblog.ch/lagerebrau/"><img class="alignnone size-full wp-image-505" title="Laegerebraeu3" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/01/Laegerebraeu3.jpg" alt="Laegerebraeu3" width="510" height="340" /></a></p>
<p>Auszug aus der zehnteiligen Serie <em>Gesöff</em> (Lägerebräu 2009)</p>
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		<title>Screenology #29: The Imaginarium of Doctor Parnassus</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Jan 2010 10:33:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sakkaden</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Colin Farrell]]></category>
		<category><![CDATA[Heath Ledger]]></category>
		<category><![CDATA[Johnny Depp]]></category>
		<category><![CDATA[Jude Law]]></category>
		<category><![CDATA[Terry Gilliam]]></category>
		<category><![CDATA[The Imaginarium of Doctor Parnassus]]></category>

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(Illustration: Emma Isacson)
&#8220;Ich wüsste gerne, welche Vorstellungswelt bei dir entstehen würde, wenn du durch diesen Spiegel gingest&#8221;, sage ich zu Barbara, die mir grad den Kopf über Heath Ledger vollgeschwärmt hat. Ja, er war ein Ausnahmetalent. Ja, es schauderte mich auch, als ich ihn dort hängen sah. Ja, er hat eine eindrückliche Leinwand-Präsenz. Können wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/01/TheImaginariumOfDoctorParna.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-498" title="TheImaginariumOfDoctorParna" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/01/TheImaginariumOfDoctorParna.jpg" alt="TheImaginariumOfDoctorParna" width="501" height="271" /></a></p>
<p>(Illustration: Emma Isacson)</p>
<p>&#8220;Ich wüsste gerne, welche Vorstellungswelt bei dir entstehen würde, wenn du durch diesen Spiegel gingest&#8221;, sage ich zu Barbara, die mir grad den Kopf über Heath Ledger vollgeschwärmt hat. Ja, er war ein Ausnahmetalent. Ja, es schauderte mich auch, als ich ihn dort hängen sah. Ja, er hat eine eindrückliche Leinwand-Präsenz. Können wir jetzt das Thema wechseln? &#8220;Erzähl du mir, wie du dir meine Parnassus-Welt vorstellst&#8221;, gibt Barbara zurück und schmunzelt, als hätte sie mir eine Falle gestellt.</p>
<p>Ich fühle mich herausgefordert: &#8220;Also gut. Du gehst durch den Spiegel und, ehm, und befindest dich in einem riesengrossen Kinderzimmer, in dem es von Kindern nur so wimmelt, die lieb miteinander spielen und&#8230;&#8221; Barbara hält ihren Kopf schief und runzelt fragend die Stirn. Ich fange von vorne an: &#8220;Nein, es ist anders, du spazierst durch Weimar zu Beginn des 19. Jahrhunderts und triffst Goethe und Schiller.&#8221; Barbara lacht: &#8220;Du kennst mich schlecht. Und wie würde mich der Teufel zu verführen versuchen?&#8221; Ich bin verunsichert: &#8220;Er würde vielleicht ein Kino aufstellen, das einen Film mit dem Titel <em>The Imaginarium of Doctor Parnassus</em> zeigt?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich glaube, da würde er verlieren&#8221;, sagt Barbara und streckt mir zwinkernd ein Zigarettenpäckchen entgegen. &#8220;Nein, danke&#8221;, sage ich. &#8220;Hat er dir nicht gefallen? Mir gefiel das Spiel mit der Vorstellungswelt, die mächtiger als die Realität ist. Mir gefiel die Spielsucht des Teufels, der nicht so sehr auf Vernichtung aus ist, sondern auf teuflische Wetten. Mir gefiel Heath Ledgers Rolle als Tony, der ein unverbesserlicher Schwätzer ist und mit seiner luschen Art viel mehr schmutzige Verführung ausstrahlt als Parnassus und der Teufel zusammen. Kein Wunder, dass die beiden ihn loswerden müssen.&#8221;</p>
<p>Wir stehen in der Kälte vor dem Kino. Barbara hört aufmerksam zu, schaut hoch zu den Sternen am Himmel und sagt: &#8220;Mag ja alles sein und ich hätte noch lange diesem absurden Jahrmarktswagen und seiner veralteten Bühne  zuschauen können, aber die Sequenzen auf der anderen Seite des Spiegel fand ich irgendwie langweilig. Ich weiss nicht warum.&#8221;</p>
<p>Barbara atmet den Rauch aus und blickt wieder zu den Sternen hoch. Unwillkürlich folge ich ihrem Blick und habe plötzlich das Gefühl, als sei die Welt, in der wir leben, wunderlich genug. &#8220;Vielleicht&#8221;, beginne ich vorsichtig, &#8220;vielleicht haben die Szenen im Spiegel dasselbe Problem wie alle Traumsequenzen in Filmen. Sie stolpern über ihre Symbolhaftigkeit. Im Film leben die Dinge von ihrer Doppeldeutigkeit. Eine Rose ist zuerst einmal eine Rose, die ich mir als echte Rose, die geschenkt wird, vorstelle. Sie trägt möglicherweise die Bedeutung, die sie schon zuvor trug, eine rote Rose mag ein Zeichen der Liebe sein. Im Film kann sie weitere Bedeutungen mittragen. Im Traum wird die Rose zu einem simplen Symbol reduziert. Und das wird langweilig.&#8221;</p>
<p>&#8220;Mm-mh&#8221;, meint Barbara und hält ihre Hand dem fallenden Schnee hin. &#8220;Interessant fand ich es auch, die Tony-Schauspieler zu vergleichen. Jude Law war am schwächsten. Colin Farrell hat mir gut gefallen. Aber keiner kam an Heath Ledger heran.&#8221; Nicht schon wieder, denke ich und staune über den schönen Moment, wir hier unter dem eiskalten Nachthimmel und die Flocken beim Fallen. Wir verabschieden uns. Ich drehe mich noch einmal um und singe: &#8220;We are the children of this world. And we have suffered for your sins. But if you open up your hear&#8230;&#8221;</p>
<p><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-428" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-429" title="Auge leer" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg" alt="Auge leer" width="28" height="16" /></a><a href="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg"><img style="border: 0px initial initial" title="Auge leer" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg" alt="Auge leer" width="28" height="16" /></a></p>
<p>(The Imaginarium of Doctor Parnassus, F/CAN/GB 2009, Regie: Terry Gilliam, Schauspieler: Heath Ledger, Johnny Depp, Jude Law, Colin Farrell, Lily Cole, Tom Waits, Christoph Plummer)</p>
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		<title>Annalee Newitz über Avatar: &#8220;White Guilt Fantasy&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jan 2010 09:54:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sakkaden</dc:creator>
				<category><![CDATA[Filme]]></category>
		<category><![CDATA[Annalee Newitz]]></category>
		<category><![CDATA[Avatar]]></category>
		<category><![CDATA[io9.com]]></category>
		<category><![CDATA[James Cameron]]></category>
		<category><![CDATA[white guilt fantasy]]></category>

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		<description><![CDATA[
Weisse Amerikaner machen Filme wie Avatar, Dances with Wolves und The Last Samurai, weil sie so ihre historische Schuld, die Auslöschung der indigenen Bevölkerung auf dem amerikanischen Kontinent, in produktive Vorstellungswelten sublimieren können.
Das ist die These, welche Annalee Newitz in ihrem Essay aufstellt, der im Internet auf io9.com veröffentlicht wurde und seither in den USA [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-494" title="500x_naviwhiteguilt" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/01/500x_naviwhiteguilt.jpg" alt="500x_naviwhiteguilt" width="500" height="281" /></p>
<p>Weisse Amerikaner machen Filme wie <em>Avatar</em>, <em>Dances with Wolves</em> und <em>The Last Samurai</em>, weil sie so ihre historische Schuld, die Auslöschung der indigenen Bevölkerung auf dem amerikanischen Kontinent, in produktive Vorstellungswelten sublimieren können.</p>
<p>Das ist die These, welche Annalee Newitz in ihrem Essay aufstellt, der im Internet auf <a title="http://io9.com/" href="http://io9.com/">io9.com</a> veröffentlicht wurde und seither in den USA zu Diskussionen geführt hat. Hier ist der ganze Artikel zu lesen: <a title="When will white people stop making movies like Avatar?" href="http://io9.com/5422666/when-will-white-people-stop-making-movies-like-avatar">http://io9.com/5422666/when-will-white-people-stop-making-movies-like-avatar</a></p>
<p>Man muss nicht Newitz&#8217; Meinung sein, um zu erkennen, dass ihre Überlegungen zumindest einen wohlwollenden Gedanken wert sind. Die Na&#8217;vis tragen Federn, beten zu Naturgottheiten, zieren ihr Gesicht mit Kriegsbemalungen, benützen Pfeil und Bogen und leben in Stämmen. Sie entsprechen also demselben Darstellungsmuster wie die Indianer in den alten Westernfilmen. Die Menschen kolonisieren <em>Pandora</em>, um an den wertvollen Bodenschatz <em>Unobtainium</em> zu kommen. Jake Sully ist einer der Soldaten, die in einem Na&#8217;vi-Körper (Avatar) die Ureinwohner davon überzeugen soll, ihr Land zu verlassen und sich anderswo niederzulassen. Jake Sully assimiliert sich nicht nur problemlos an die Kultur der Na&#8217;vis, sondern wird sogar ihr Anführer.</p>
<p>Und hier wird Newitz&#8217; Argumentation spannend. Statt die Geschichte aus der Sicht der Na&#8217;vis zu erzählen, wird sie aus der Sicht eines weissen Amerikaners erzählt, der in der fremden Kultur- und Kriegstechnik gleich zum Allerbesten aufsteigt und sie, statt zu unterdrücken, von innen her anführt. Das sei eine Wiedergutmachungsfantasie, die nicht ganz frei von Überlegenheitsgefühlen ist.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Screenology #28: Soul Kitchen</title>
		<link>http://sakkaden.swissblog.ch/2010/01/07/screenology-28-soul-kitchen/</link>
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		<pubDate>Wed, 06 Jan 2010 22:12:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sakkaden</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Fatih Akin]]></category>
		<category><![CDATA[Moritz Bleibtreu]]></category>
		<category><![CDATA[Soul Kitchen]]></category>

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		<description><![CDATA[
(Illustration: Emma Isacson)
Henry ist lieb. Henry ist gut für einen belanglosen Abend. Und Henry kommt mit mir in die Seelenküche, wo von der ersten Szene an klar wird: Hier kocht einer, der sein Handwerk versteht. Wie die Kamera den Schauplatz einfängt, eine Abrisshalle, in der eine Fress- und Saufbude steckt, wie sie mit dem heranfahrenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-491" title="SoulKitchen" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2010/01/SoulKitchen.jpg" alt="SoulKitchen" width="501" height="275" /></p>
<p>(Illustration: Emma Isacson)</p>
<p>Henry ist lieb. Henry ist gut für einen belanglosen Abend. Und Henry kommt mit mir in die Seelenküche, wo von der ersten Szene an klar wird: Hier kocht einer, der sein Handwerk versteht. Wie die Kamera den Schauplatz einfängt, eine Abrisshalle, in der eine Fress- und Saufbude steckt, wie sie mit dem heranfahrenden Auto mitgeht, eine dieser vielen Seitwärtsfahrten der Kamera, und wie Fatih Akin just in dem Moment schneidet, als wir denken: &#8216;Jetzt steigt einer aus, geht zur Türe, öffnet sie, geht hinein&#8217;, zeigt von Anfang an, hier kann man sich zurücklehnen und sich an der Geschichte freuen.</p>
<p>&#8220;Das wird gut&#8221;, sage ich und stupfe Henry mit dem Ellbogen. &#8220;Ja, meinst du?&#8221;, flüstert mir Henry zu, lehnt sich dabei weit zu mir und hält die Hand vor seinen Mund, damit sich ja niemand gestört fühlt. &#8220;Ja, das meine ich&#8221;, sage ich absichtlich laut. &#8220;Zieh dir mal die Kamera rein. Sie steht immer am richtigen Ort. Und wenn sie sich bewegt, ist es immer grad interessant und passt zu den Gefühlen. Hier am Anfang zum Beispiel mit diesen Dollyfahrten gleiten wir richtiggehend mit der Kamera und den Personen in die Geschichte.&#8221;</p>
<p>Henry weiss für einen Augenblick nicht recht, wie er reagieren soll. Wenn er nichts erwidert, verstumme ich vielleicht endlich. Aber gleichzeitig könnte ich ihn unhöflich finden. Er nickt mir unentschlossen zu und widmet sich konzentriert der Leinwand. Tristan hätte laut &#8220;Jamann!&#8221; gerufen. In der Pause fragt Henry: &#8220;Soll ich dir ein Eis holen?&#8221; Ich frage zurück: &#8220;Ein Ice-Bier? Nein, danke, ich nehme lieber ein richtiges Bier.&#8221;</p>
<p>Zinos Leben, Zino ist der Besitzer der <em>Soul Kitchen,</em> geht den Bach runter. Die Freundin geht nach Schanghai und verliebt sich in einen Schinesen, sein Bruder kommt aus dem Knast und verspielt das Restaurant, der Hexenschuss bleibt beharrlich im Rücken stecken und der Gourmetkoch weigert sich Fritteusenfood zu kochen.</p>
<p>&#8220;Find ich geil, wie manchmal nach dem Schnitt Zeit und Ort wechseln, aber das Gespräch unlogischerweise kohärent bleibt. Jump Cuts der anderen Art.&#8221; Wieder schaut Henry verwirrt und ich nehme mir vor, nichts mehr zu sagen, bis der Film zu Ende ist. Aber jetzt fängt Henry an: &#8220;Also, wie meinst du das denn?&#8221; Ich antworte: &#8220;Denkst du, wenn es Gaumenrassisten gibt, die nur essen, was sie kennen, gibt es dann auch Augenrassisten, die nur Hollywood schauen?&#8221;</p>
<p>Tristan hätte gelacht. Ach ja, der Plot: Die einen kommen sich näher, die anderen gehen auseinander. Und hier die wirklich artikulierte Kurzkritik: ein paar berührende Momente, ein paar weise Weglassungen in Bezug auf die Story, ein paar spielfreudige Schauspieler und dann halt doch noch ein paar doofe Billigwitze. Schauen!</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-428" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /><img style="border: 0px initial initial" title="Auge voll" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-voll.jpg" alt="Auge voll" width="28" height="16" /><img class="alignnone size-full wp-image-429" title="Auge leer" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg" alt="Auge leer" width="28" height="16" /><img style="border: 0px initial initial" title="Auge leer" src="http://sakkaden.swissblog.ch/files/2009/10/Auge-leer.jpg" alt="Auge leer" width="28" height="16" /></p>
<p>(Soul Kitchen, De 2009, Regie: Fatih Akin, Schauspieler: Adam Bousdoukos, Moritz Bleibtreu, Birol Ünel)</p>
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