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Screenology #30: Bright Star

BrightStar

(Illustration: Emma Isacson)

“Schon Pause”, sage ich und lehne mich zufrieden zurück. Jane Campion erzählt auf berührende Weise – aber ohne in die Kitschfalle zu tappen – das Wachsen einer Liebe zwischen einer jungen Frau, die selbstbewusst ihre extravaganten Kleider zur Schau stellt sowie schlagfertige Wortgefechte führt, und dem mittellosen Dichter John Keats, dessen Schreiben erst nach seinem Tod Berühmtheit erlangte.

“Schon? Schon, sagst du? Ihr wollt den Film zu Ende schauen?” Ich sitze zwischen Sara und Meryem. Sara mag Schnulzen. Sie schwelgt. Schweigsam. Meryem mag Zweiohrküken. Und Meryem mag keine langen Einstellungen mit Blicken, denen man die Spannung aus dem Gesicht lesen muss. “Da passiert ja nichts”, sagt sie. Sara schaut sie fragend an: “Ach ja? Ich finde, da passiert allerhand.” Meryem steht auf, steckt sich eine Zigarette in den Mund. “Ach du! Du hast nichts zu melden. Du bist verliebt. Du würdest jeden Schwulst aufsaugen.” Sagts und geht raus.

Jetzt sitzen wir alleine hier. Sara und ich. Die Gelegenheit, sie nun nach Tristan zu fragen, wäre günstig. Zu fragen, ob, da sie ja offenbar verliebt sei, das vielleicht etwas mit Tristan zu tun haben könnte. Und da ja Tristan mein Freund, also, eigentlich einer meiner besten Freunde, wenn ich’s bedenke, würde ich sagen, er ist mein bester, und weil ja Sara und ich, nun, jedenfalls früher, da war doch was. Zwischen uns. Ob… Nun, die Gelegenheit wäre günstig, aber ich bin ausserstande die lauschige Art und Weise, wie Sara ihren Kopf auf meine Seite neigt und zufrieden ins Leere lächelt, zu stören.

“Überall sind Wände”, sage ich stattdessen. “Immer sind Wände dazwischen. Oder Fenster. Türen. Sie steht im Garten, er am Fenster. Er zieht mit seinem Freund Charles Brown nebenan ein. Sie klopft an die Türe. Immer ist etwas dazwischen. Sie werden stets von Samuel, ihrem Bruder begleitet. Oder Charles Brown macht abschätzige Bemerkungen.” Sara schaut mich träumerisch an: “Ja, und trotzdem lieben sie sich. Trotzdem können sie einander nicht aus dem Weg gehen.” Ich werde plötzlich wütend. Ich vermute Tristan in ihren Gedanken. “Nein, nicht trotzdem, sondern gerade deswegen. Weil sie sich nicht haben dürfen, lieben sie sich. Liebe ohne Widerstand ist wie Heldentum ohne Hindernisse.”

Nach dem Film trinken wir Wein und Meryem meint: “Ich hatte viel Zeit, die Einrichtung zu studieren. Die Nischen mit den gepolsterten Bänken fand ich super. Leider machen sie die heute nicht mehr. Aber genau so eine Fensternischenbank möchte ich.” Sara und ich lachen. Meryem ist erfrischend. “Und das Kind ist vom Pöstler. Der hatte als Einziger rote Haare.”

Sara sagt: “Wie Jane Campion die Entwicklung dieser jungen Frau gezeigt hat, fand ich sehr eindrücklich. Am Anfang war sie rechthaberisch und rebellisch. Mit der Liebe ist eine Frau aus dem Mädchen geworden. Das Eingestehen ihrer Verletzlichkeit hat sie stark gemacht. Plötzlich stand nicht mehr ihr Bemühen um Anderssein im Vordergrund, sondern ein gewachsenes Sichselbstsein. Kein störrisches Ich-will, sondern ein echtes Das-bin-ich.” Nachdenklich schaue ich Sara an und frage mich, ob sie wirklich von Fanny Brawne spricht.

Auge vollAuge vollAuge vollAuge leerAuge leer

(Bright Star, 2009, Regie: Jane Campion, Schauspieler: Abbie Cornish, Ben Wishaw, Paul Schneider)

~ by sakkaden on 25. January 2010. Tagged: , , , ,

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