Annalee Newitz über Avatar: “White Guilt Fantasy”

Weisse Amerikaner machen Filme wie Avatar, Dances with Wolves und The Last Samurai, weil sie so ihre historische Schuld, die Auslöschung der indigenen Bevölkerung auf dem amerikanischen Kontinent, in produktive Vorstellungswelten sublimieren können.
Das ist die These, welche Annalee Newitz in ihrem Essay aufstellt, der im Internet auf io9.com veröffentlicht wurde und seither in den USA zu Diskussionen geführt hat. Hier ist der ganze Artikel zu lesen: http://io9.com/5422666/when-will-white-people-stop-making-movies-like-avatar
Man muss nicht Newitz’ Meinung sein, um zu erkennen, dass ihre Überlegungen zumindest einen wohlwollenden Gedanken wert sind. Die Na’vis tragen Federn, beten zu Naturgottheiten, zieren ihr Gesicht mit Kriegsbemalungen, benützen Pfeil und Bogen und leben in Stämmen. Sie entsprechen also demselben Darstellungsmuster wie die Indianer in den alten Westernfilmen. Die Menschen kolonisieren Pandora, um an den wertvollen Bodenschatz Unobtainium zu kommen. Jake Sully ist einer der Soldaten, die in einem Na’vi-Körper (Avatar) die Ureinwohner davon überzeugen soll, ihr Land zu verlassen und sich anderswo niederzulassen. Jake Sully assimiliert sich nicht nur problemlos an die Kultur der Na’vis, sondern wird sogar ihr Anführer.
Und hier wird Newitz’ Argumentation spannend. Statt die Geschichte aus der Sicht der Na’vis zu erzählen, wird sie aus der Sicht eines weissen Amerikaners erzählt, der in der fremden Kultur- und Kriegstechnik gleich zum Allerbesten aufsteigt und sie, statt zu unterdrücken, von innen her anführt. Das sei eine Wiedergutmachungsfantasie, die nicht ganz frei von Überlegenheitsgefühlen ist.


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