Screenology #28: Soul Kitchen

(Illustration: Emma Isacson)
Henry ist lieb. Henry ist gut für einen belanglosen Abend. Und Henry kommt mit mir in die Seelenküche, wo von der ersten Szene an klar wird: Hier kocht einer, der sein Handwerk versteht. Wie die Kamera den Schauplatz einfängt, eine Abrisshalle, in der eine Fress- und Saufbude steckt, wie sie mit dem heranfahrenden Auto mitgeht, eine dieser vielen Seitwärtsfahrten der Kamera, und wie Fatih Akin just in dem Moment schneidet, als wir denken: ‘Jetzt steigt einer aus, geht zur Türe, öffnet sie, geht hinein’, zeigt von Anfang an, hier kann man sich zurücklehnen und sich an der Geschichte freuen.
“Das wird gut”, sage ich und stupfe Henry mit dem Ellbogen. “Ja, meinst du?”, flüstert mir Henry zu, lehnt sich dabei weit zu mir und hält die Hand vor seinen Mund, damit sich ja niemand gestört fühlt. “Ja, das meine ich”, sage ich absichtlich laut. “Zieh dir mal die Kamera rein. Sie steht immer am richtigen Ort. Und wenn sie sich bewegt, ist es immer grad interessant und passt zu den Gefühlen. Hier am Anfang zum Beispiel mit diesen Dollyfahrten gleiten wir richtiggehend mit der Kamera und den Personen in die Geschichte.”
Henry weiss für einen Augenblick nicht recht, wie er reagieren soll. Wenn er nichts erwidert, verstumme ich vielleicht endlich. Aber gleichzeitig könnte ich ihn unhöflich finden. Er nickt mir unentschlossen zu und widmet sich konzentriert der Leinwand. Tristan hätte laut “Jamann!” gerufen. In der Pause fragt Henry: “Soll ich dir ein Eis holen?” Ich frage zurück: “Ein Ice-Bier? Nein, danke, ich nehme lieber ein richtiges Bier.”
Zinos Leben, Zino ist der Besitzer der Soul Kitchen, geht den Bach runter. Die Freundin geht nach Schanghai und verliebt sich in einen Schinesen, sein Bruder kommt aus dem Knast und verspielt das Restaurant, der Hexenschuss bleibt beharrlich im Rücken stecken und der Gourmetkoch weigert sich Fritteusenfood zu kochen.
“Find ich geil, wie manchmal nach dem Schnitt Zeit und Ort wechseln, aber das Gespräch unlogischerweise kohärent bleibt. Jump Cuts der anderen Art.” Wieder schaut Henry verwirrt und ich nehme mir vor, nichts mehr zu sagen, bis der Film zu Ende ist. Aber jetzt fängt Henry an: “Also, wie meinst du das denn?” Ich antworte: “Denkst du, wenn es Gaumenrassisten gibt, die nur essen, was sie kennen, gibt es dann auch Augenrassisten, die nur Hollywood schauen?”
Tristan hätte gelacht. Ach ja, der Plot: Die einen kommen sich näher, die anderen gehen auseinander. Und hier die wirklich artikulierte Kurzkritik: ein paar berührende Momente, ein paar weise Weglassungen in Bezug auf die Story, ein paar spielfreudige Schauspieler und dann halt doch noch ein paar doofe Billigwitze. Schauen!
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(Soul Kitchen, De 2009, Regie: Fatih Akin, Schauspieler: Adam Bousdoukos, Moritz Bleibtreu, Birol Ünel)


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