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Screenology #8: The Limits of Control (revisited)

(Illustration: Emma Isacson)

Barbara ärgert sich: „Diese Filmkritiker enttäuschen mich. Ist es nicht ein bisschen durchschaubar, den Film als prätentiös und langweilig zu bezeichnen? Auch wenn das vielleicht mehr über die Filmkritiker aussagt.“ Ich zucke die Achseln und frage mich, warum alle Frauen in meinem Alter Barbara heissen.

Sie redet erregt weiter: „Er tötet die Einflüsse. Er macht sich frei von den manipulierenden Bildern der westlichen Kultur. ‚Ihr seid zugeschüttet von eurer Musik, euren Filmen, eurer Kunst, eurer Wissenschaft und euren Drogen’, sagt Bill Murray. Das sind genau die Stationen, mit denen er die Streichholzschachteln tauscht. Kommt noch die Nackte dazu, Sex also, und der Mann mit der Gitarre, der über die Bohemiens spricht, über den Lebensstil, das inszenierte, falsche Leben.“

Ich frage: „Und der schwarze Hubschrauber?“

Barbara antwortet: „Ist das wachsame Auge des Kultur- und Kunstimperialismus. Du musst dir das als innere Reise vorstellen. Zurück zur Authentizität. Er befreit sich aus den Fesseln der indoktrinierten Geschmackserwartung, des normierten Lebensgefühls. Am Ende gelingt es ihm, mit Hilfe der Meditation in die schwer bewachte Festung des Kontrollzentrums einzudringen und in seinem Innersten die internalisierte Bildermacht zu zerschlagen. Bill Murray ist nicht umsonst wie ein Wirtschaftsführer gekleidet. Die Regeln des Konsums beherrschen unsere Kultur und disziplinieren unser Verhalten.“

„Ist es nicht auch ein Film über Film?”, versuche ich meine Sichtweise darzulegen. “Hast du gesehen, dass die Fluggesellschaft Air Lumière hiess? Wie die Erfinder des Kinos. Und die Nackte fragt enttäuscht: ‚No guns, no sex, no mobiles?’ Das ist doch genau, wie Hollywood heute seine Filme pimpt. Gewalt, Sex und viel Geplapper. Am Ende schaut er sich ein Kunstwerk an, ein weisses Leintuch, die unbespielte Leinwand. Der Mexikaner sagt: ‚Die Spiegelung ist wirklicher als das Gespiegelte.’ Was wir im Kino sehen, ist die Spiegelung des Lichts, das der Projektor auf die Leinwand wirft. Es gibt lauter solche Anspielungen.“

„Ja, am Ende sitzt er vor dem weissen Leintuch, das Falten wirft. Er hat sich leer gemacht. Und nachdem die Kamera plötzlich wegreisst, ist die Leinwand schwarz und wir hören den Hubschrauber noch einmal. Wir selbst sind noch nicht frei. Wir werden noch kontrolliert.“

„Er aber konnte den Anzug ausziehen und wegschliessen. Den Film verlassen. Das Genre. Den Gangsterthriller. Seltsam hingegen, das Sweatshirt, das er anzieht, trägt als Logo einerseits den afrikanischen Kontinent, andererseits das Nike-Zeichen. Ist das ironisch?“

„Das ist nicht der afrikanische Kontinent, das ist ein Löwe. Hinten sind ja auch die Krallenspuren eingenäht.“

„Quatsch, Barbara, das ist der afrikanische Kontinent.“

„Nein, du irrst dich.“

„Doch, bestimmt. Wollen wir wetten?“

„Okay. Um was?“

„Um die DVD dieses Films.“

(The Limits of Control, 2009, Regie: Jim Jarmusch, Schauspieler: Isaach de Bankolé, Paz de la Huerta, Tilda Swinton, John Hurt, Gael Garcia Bernal, Bill Murray)


~ by sakkaden on 25. June 2009. Tagged: , , , , , , , ,

One Response to “Screenology #8: The Limits of Control (revisited)”

  1. [...] The Limits of Control (Jim [...]

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