Screenology #1: Der Knochenmann
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„Na? Wie fandest du ihn?“ Tristan hat die Unart, kaum tritt man an die frische Luft, nach dem Urteil zu fragen. Mit der gleichen Lässigkeit, wie er sich die Zigarette anzündet. Nicht nur, dass ich noch in den Eindrücken schwelge, drum keine Worte finde und stottere, ganz grundsätzlich steht meine Meinung noch unentschlossen vor der Wippe des binären Urteils und zeichnet Denkfalten in die Stirn. Ganz anders Tristan. Aber die Frage hatte er ja auch vielmehr an sich selbst gerichtet. „Ich fand ihn toll“, sprudelt er drauflos. „Geil, wie die beiden sich in der Küche treffen, das brutzelnde Gulasch bestaunen. Der eine hungrig, der andere Beweismittel schmorend. Oder der Russe am Fleischerhaken, als er wieder zum Leben erwacht, nachdem er kurz zuvor im österreichischen Niemandsland mit dem Rollstuhl die Passstrasse runterrotzte. Die Frau mit dem Pimmel!“ Hier grölte er los.
So verarbeitet mein Freund mit dem kulturträchtigen Namen Filmerlebnisse. Ich hingegen, wenn wir dann beim Bier sitzen, mäandriere durch das weite Feld des Abwägens: „Wie die Dialoge einerseits den einzelnen Figuren gerecht werden und gleichzeitig die Beziehungen weiterentwickeln und sogar den Plot vorwärts treiben, ist ein Musterstück in Screenwriting. Ganz zu schweigen von der schauspielerischen Leistung, die es braucht, das Timing, um den Witz… Hader ist unglaublich. Und die Minichmayr erst. Besonders eindrücklich fand ich, wie es dem Regisseur immer wieder gelang, die Stimmung eines Schauplatzes einzufangen, die Atmosphäre in den Vordergrund zu rücken und die Handlung wie nebenher geschehen zu lassen. Da hat auch die Musik das Ihre…“ Tristan fand sein Stichwort und sang: „Life is life, na na nanana, bab-a-dap-bap-bap life… Oder als Hader sagte: Jo, so rennen’s doch ned weg. Dabei schlurfte der Andere zum Schlachtmesser, um ihn umzubringen.“
Es ist wie immer. Früher oder später landet unser Gespräch beim Nacherzählen von Szenen. Tristan konnte sich nicht mehr halten: „Bei Ihnen ist der Gost noch König, oder? Sagt der Andere: Mir sän ke Gosthaus, mir sän a Wirtshaus.“ Wieder prustete er los. Ich wollte mithalten: „Mir gefiel die Anfangsszene, als die beiden Zuhälter über das korrekte Verhältnis von Frostschutzmittel und Wasser diskutierten. Das hatte was Tarantino-eskes, nicht?“ – „Och, schleich di!“, grunzte Tristan, leerte seine Stange in einem Zug und überliess mir die Rechnung.
(Der Knochenmann, 2009, Regie: Wolfgang Murnberger, Buch: Wolf Haas, Schauspieler: Josef Hader, Birgit Minichmayr)



Interessantes Posting! Gruss aus Berlin
Samoa said this on 22. May 2009 at 22:06
[...] Der Knochenmann (Wolfgang [...]
» Best of 2009 Sakkaden said this on 21. December 2009 at 12:03