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Screenology #31: Where the Wild Things Are

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Ganz gemütlich bei einem Brunch wollte Sara über die Sache reden, über die Sache, die entsteht, wenn mein bester Freund mit meinem besten Flirt. Ganz ungemütlich bin ich dann abgehauen. Habe die Türe geschletzt, bin die Treppe hinab gepoltert und durch die einsamen Sonntagsgassen gestapft. Sara und Tristan waren nebeneinander gesessen. Ich ihnen gegenüber. Sie hatten sich vertrauensvolle Blicke zugeworfen. Ich hatte erzählt. Sie aber hatten gekichert. Über irgendetwas, das ich nicht verstand. Ich war abgehauen. Ins Nachmittagskino.

Nun, nach dem Film, steige ich reumütig die Treppe hoch, zögere, sehe Licht durch den Vorhang der Glastüre, höre gedämpfte Stimmen. Ich klopfe leise. Sara macht auf, nimmt mir den Mantel ab: „Möchtest du einen Kaffee?“ Ich sage: „Ich habe mir Where the Wild Things Are angeschaut. Den neuen Spike Jonze. Kannst du dich an Being John Malkovich erinnern?“

Tristan schlurft aus Saras Zimmer an mir vorbei in die Küche, gibt mir eine schmerzhafte Kopfnuss, öffnet drei Bier und bietet Zigaretten an: „Wie war der Film?“

Ich weiss nicht, wo ich anfangen soll, und stammle. „Wisst ihr… Also, das mit euch… Ich meine, was ich sagen will: Schon okay.“ Die Beiden schauen mich grossäugig an und als ich meinen Blick auf Sara richte, senkt sie den ihren. „Wirklich“, sage ich. Tristan starrt mich an und fragt wieder: „Wie war der Film?“

„Nun ja, weisst du, dieser Junge im Film, Max, er will spielen, hat niemanden, macht ein Iglu, die Freunde seiner Schwester zerstören es, die Schwester lässt ihn ihm Stich, seine Mutter nimmt einen Mann nach Hause, Max dreht durch. Tönt wie immer, ist aber mit einer derart berührenden Intensität gefilmt, dass die schnellen Stimmungswechsel des Kindes völlig glaubhaft werden.“

Tristan rülpst und sagt: „Ich dachte, da kommen so Zottelriesen vor.“ Ich schaue Sara an, die gute Miene macht. Also erzähle ich weiter: „Jaja, Max geht nun auf eine Insel, wo die Wilden Kerle wohnen. Sie wollen ihn auffressen, aber weil er sich wehrt, wird er ihr König. Erst tut ihm alles gut. Sie machen Krach und wilde Spiele, wollen mit ihm befreundet sein, wollen nur Glück und Freude. Dann schleichen sich die Probleme von zu Hause auch in seine Phantasiewelt. Eifersucht, Selbstsucht, Sehnsucht.“

Sara steht auf und räumt Sachen vom Tisch, leert den Aschenbecher. Tristan holt Bier: „Nichts für mich. Hört sich eher nach einem Brabbelfilm an.“ Sara fragt interessiert: „Wie hat er dir gefallen?“

„Ich habe mich verstanden gefühlt. Unwillkürlich ging mir jede Regung von Max und den Wesen unter die Haut. So funktioniert die Kinderwelt. Was Lust macht, jetzt, ist gut. Was Unlust macht, ist schlecht. Freunde sind keine Plüschtiere. Sie antworten mit ihren eigenen Bedürfnissen. Max lernt auf zauberhafte Art und Weise eine der schwierigsten Lektionen der Sozialisation. Das Wir ist ohne ein bisschen Ich-Verlust nicht zu haben.“

Tristan ist kein Mann der grossen Worte, aber immerhin ein Mann der Gesten. Er streckt mir sein Bier hin, wir prosten. „Werd erwachsen, Trotzkoppe“, sagt Tristan. Die Sache ist gegessen. Mit Sara werde ich wohl ein anderes Mal sprechen müssen.

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(Where the Wild Things Are, USA 2009, Regie: Spike Jonze, Schauspieler: Max Records, Catherine Keener)

Screenology #30: Bright Star

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(Illustration: Emma Isacson)

“Schon Pause”, sage ich und lehne mich zufrieden zurück. Jane Campion erzählt auf berührende Weise – aber ohne in die Kitschfalle zu tappen – das Wachsen einer Liebe zwischen einer jungen Frau, die selbstbewusst ihre extravaganten Kleider zur Schau stellt sowie schlagfertige Wortgefechte führt, und dem mittellosen Dichter John Keats, dessen Schreiben erst nach seinem Tod Berühmtheit erlangte.

“Schon? Schon, sagst du? Ihr wollt den Film zu Ende schauen?” Ich sitze zwischen Sara und Meryem. Sara mag Schnulzen. Sie schwelgt. Schweigsam. Meryem mag Zweiohrküken. Und Meryem mag keine langen Einstellungen mit Blicken, denen man die Spannung aus dem Gesicht lesen muss. “Da passiert ja nichts”, sagt sie. Sara schaut sie fragend an: “Ach ja? Ich finde, da passiert allerhand.” Meryem steht auf, steckt sich eine Zigarette in den Mund. “Ach du! Du hast nichts zu melden. Du bist verliebt. Du würdest jeden Schwulst aufsaugen.” Sagts und geht raus.

Jetzt sitzen wir alleine hier. Sara und ich. Die Gelegenheit, sie nun nach Tristan zu fragen, wäre günstig. Zu fragen, ob, da sie ja offenbar verliebt sei, das vielleicht etwas mit Tristan zu tun haben könnte. Und da ja Tristan mein Freund, also, eigentlich einer meiner besten Freunde, wenn ich’s bedenke, würde ich sagen, er ist mein bester, und weil ja Sara und ich, nun, jedenfalls früher, da war doch was. Zwischen uns. Ob… Nun, die Gelegenheit wäre günstig, aber ich bin ausserstande die lauschige Art und Weise, wie Sara ihren Kopf auf meine Seite neigt und zufrieden ins Leere lächelt, zu stören.

“Überall sind Wände”, sage ich stattdessen. “Immer sind Wände dazwischen. Oder Fenster. Türen. Sie steht im Garten, er am Fenster. Er zieht mit seinem Freund Charles Brown nebenan ein. Sie klopft an die Türe. Immer ist etwas dazwischen. Sie werden stets von Samuel, ihrem Bruder begleitet. Oder Charles Brown macht abschätzige Bemerkungen.” Sara schaut mich träumerisch an: “Ja, und trotzdem lieben sie sich. Trotzdem können sie einander nicht aus dem Weg gehen.” Ich werde plötzlich wütend. Ich vermute Tristan in ihren Gedanken. “Nein, nicht trotzdem, sondern gerade deswegen. Weil sie sich nicht haben dürfen, lieben sie sich. Liebe ohne Widerstand ist wie Heldentum ohne Hindernisse.”

Nach dem Film trinken wir Wein und Meryem meint: “Ich hatte viel Zeit, die Einrichtung zu studieren. Die Nischen mit den gepolsterten Bänken fand ich super. Leider machen sie die heute nicht mehr. Aber genau so eine Fensternischenbank möchte ich.” Sara und ich lachen. Meryem ist erfrischend. “Und das Kind ist vom Pöstler. Der hatte als Einziger rote Haare.”

Sara sagt: “Wie Jane Campion die Entwicklung dieser jungen Frau gezeigt hat, fand ich sehr eindrücklich. Am Anfang war sie rechthaberisch und rebellisch. Mit der Liebe ist eine Frau aus dem Mädchen geworden. Das Eingestehen ihrer Verletzlichkeit hat sie stark gemacht. Plötzlich stand nicht mehr ihr Bemühen um Anderssein im Vordergrund, sondern ein gewachsenes Sichselbstsein. Kein störrisches Ich-will, sondern ein echtes Das-bin-ich.” Nachdenklich schaue ich Sara an und frage mich, ob sie wirklich von Fanny Brawne spricht.

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(Bright Star, 2009, Regie: Jane Campion, Schauspieler: Abbie Cornish, Ben Wishaw, Paul Schneider)

Gesöff

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Auszug aus der zehnteiligen Serie Gesöff (Lägerebräu 2009)

Screenology #29: The Imaginarium of Doctor Parnassus

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(Illustration: Emma Isacson)

“Ich wüsste gerne, welche Vorstellungswelt bei dir entstehen würde, wenn du durch diesen Spiegel gingest”, sage ich zu Barbara, die mir grad den Kopf über Heath Ledger vollgeschwärmt hat. Ja, er war ein Ausnahmetalent. Ja, es schauderte mich auch, als ich ihn dort hängen sah. Ja, er hat eine eindrückliche Leinwand-Präsenz. Können wir jetzt das Thema wechseln? “Erzähl du mir, wie du dir meine Parnassus-Welt vorstellst”, gibt Barbara zurück und schmunzelt, als hätte sie mir eine Falle gestellt.

Ich fühle mich herausgefordert: “Also gut. Du gehst durch den Spiegel und, ehm, und befindest dich in einem riesengrossen Kinderzimmer, in dem es von Kindern nur so wimmelt, die lieb miteinander spielen und…” Barbara hält ihren Kopf schief und runzelt fragend die Stirn. Ich fange von vorne an: “Nein, es ist anders, du spazierst durch Weimar zu Beginn des 19. Jahrhunderts und triffst Goethe und Schiller.” Barbara lacht: “Du kennst mich schlecht. Und wie würde mich der Teufel zu verführen versuchen?” Ich bin verunsichert: “Er würde vielleicht ein Kino aufstellen, das einen Film mit dem Titel The Imaginarium of Doctor Parnassus zeigt?”

“Ich glaube, da würde er verlieren”, sagt Barbara und streckt mir zwinkernd ein Zigarettenpäckchen entgegen. “Nein, danke”, sage ich. “Hat er dir nicht gefallen? Mir gefiel das Spiel mit der Vorstellungswelt, die mächtiger als die Realität ist. Mir gefiel die Spielsucht des Teufels, der nicht so sehr auf Vernichtung aus ist, sondern auf teuflische Wetten. Mir gefiel Heath Ledgers Rolle als Tony, der ein unverbesserlicher Schwätzer ist und mit seiner luschen Art viel mehr schmutzige Verführung ausstrahlt als Parnassus und der Teufel zusammen. Kein Wunder, dass die beiden ihn loswerden müssen.”

Wir stehen in der Kälte vor dem Kino. Barbara hört aufmerksam zu, schaut hoch zu den Sternen am Himmel und sagt: “Mag ja alles sein und ich hätte noch lange diesem absurden Jahrmarktswagen und seiner veralteten Bühne  zuschauen können, aber die Sequenzen auf der anderen Seite des Spiegel fand ich irgendwie langweilig. Ich weiss nicht warum.”

Barbara atmet den Rauch aus und blickt wieder zu den Sternen hoch. Unwillkürlich folge ich ihrem Blick und habe plötzlich das Gefühl, als sei die Welt, in der wir leben, wunderlich genug. “Vielleicht”, beginne ich vorsichtig, “vielleicht haben die Szenen im Spiegel dasselbe Problem wie alle Traumsequenzen in Filmen. Sie stolpern über ihre Symbolhaftigkeit. Im Film leben die Dinge von ihrer Doppeldeutigkeit. Eine Rose ist zuerst einmal eine Rose, die ich mir als echte Rose, die geschenkt wird, vorstelle. Sie trägt möglicherweise die Bedeutung, die sie schon zuvor trug, eine rote Rose mag ein Zeichen der Liebe sein. Im Film kann sie weitere Bedeutungen mittragen. Im Traum wird die Rose zu einem simplen Symbol reduziert. Und das wird langweilig.”

“Mm-mh”, meint Barbara und hält ihre Hand dem fallenden Schnee hin. “Interessant fand ich es auch, die Tony-Schauspieler zu vergleichen. Jude Law war am schwächsten. Colin Farrell hat mir gut gefallen. Aber keiner kam an Heath Ledger heran.” Nicht schon wieder, denke ich und staune über den schönen Moment, wir hier unter dem eiskalten Nachthimmel und die Flocken beim Fallen. Wir verabschieden uns. Ich drehe mich noch einmal um und singe: “We are the children of this world. And we have suffered for your sins. But if you open up your hear…”

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(The Imaginarium of Doctor Parnassus, F/CAN/GB 2009, Regie: Terry Gilliam, Schauspieler: Heath Ledger, Johnny Depp, Jude Law, Colin Farrell, Lily Cole, Tom Waits, Christoph Plummer)

Annalee Newitz über Avatar: “White Guilt Fantasy”

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Weisse Amerikaner machen Filme wie Avatar, Dances with Wolves und The Last Samurai, weil sie so ihre historische Schuld, die Auslöschung der indigenen Bevölkerung auf dem amerikanischen Kontinent, in produktive Vorstellungswelten sublimieren können.

Das ist die These, welche Annalee Newitz in ihrem Essay aufstellt, der im Internet auf io9.com veröffentlicht wurde und seither in den USA zu Diskussionen geführt hat. Hier ist der ganze Artikel zu lesen: http://io9.com/5422666/when-will-white-people-stop-making-movies-like-avatar

Man muss nicht Newitz’ Meinung sein, um zu erkennen, dass ihre Überlegungen zumindest einen wohlwollenden Gedanken wert sind. Die Na’vis tragen Federn, beten zu Naturgottheiten, zieren ihr Gesicht mit Kriegsbemalungen, benützen Pfeil und Bogen und leben in Stämmen. Sie entsprechen also demselben Darstellungsmuster wie die Indianer in den alten Westernfilmen. Die Menschen kolonisieren Pandora, um an den wertvollen Bodenschatz Unobtainium zu kommen. Jake Sully ist einer der Soldaten, die in einem Na’vi-Körper (Avatar) die Ureinwohner davon überzeugen soll, ihr Land zu verlassen und sich anderswo niederzulassen. Jake Sully assimiliert sich nicht nur problemlos an die Kultur der Na’vis, sondern wird sogar ihr Anführer.

Und hier wird Newitz’ Argumentation spannend. Statt die Geschichte aus der Sicht der Na’vis zu erzählen, wird sie aus der Sicht eines weissen Amerikaners erzählt, der in der fremden Kultur- und Kriegstechnik gleich zum Allerbesten aufsteigt und sie, statt zu unterdrücken, von innen her anführt. Das sei eine Wiedergutmachungsfantasie, die nicht ganz frei von Überlegenheitsgefühlen ist.

Screenology #28: Soul Kitchen

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(Illustration: Emma Isacson)

Henry ist lieb. Henry ist gut für einen belanglosen Abend. Und Henry kommt mit mir in die Seelenküche, wo von der ersten Szene an klar wird: Hier kocht einer, der sein Handwerk versteht. Wie die Kamera den Schauplatz einfängt, eine Abrisshalle, in der eine Fress- und Saufbude steckt, wie sie mit dem heranfahrenden Auto mitgeht, eine dieser vielen Seitwärtsfahrten der Kamera, und wie Fatih Akin just in dem Moment schneidet, als wir denken: ‘Jetzt steigt einer aus, geht zur Türe, öffnet sie, geht hinein’, zeigt von Anfang an, hier kann man sich zurücklehnen und sich an der Geschichte freuen.

“Das wird gut”, sage ich und stupfe Henry mit dem Ellbogen. “Ja, meinst du?”, flüstert mir Henry zu, lehnt sich dabei weit zu mir und hält die Hand vor seinen Mund, damit sich ja niemand gestört fühlt. “Ja, das meine ich”, sage ich absichtlich laut. “Zieh dir mal die Kamera rein. Sie steht immer am richtigen Ort. Und wenn sie sich bewegt, ist es immer grad interessant und passt zu den Gefühlen. Hier am Anfang zum Beispiel mit diesen Dollyfahrten gleiten wir richtiggehend mit der Kamera und den Personen in die Geschichte.”

Henry weiss für einen Augenblick nicht recht, wie er reagieren soll. Wenn er nichts erwidert, verstumme ich vielleicht endlich. Aber gleichzeitig könnte ich ihn unhöflich finden. Er nickt mir unentschlossen zu und widmet sich konzentriert der Leinwand. Tristan hätte laut “Jamann!” gerufen. In der Pause fragt Henry: “Soll ich dir ein Eis holen?” Ich frage zurück: “Ein Ice-Bier? Nein, danke, ich nehme lieber ein richtiges Bier.”

Zinos Leben, Zino ist der Besitzer der Soul Kitchen, geht den Bach runter. Die Freundin geht nach Schanghai und verliebt sich in einen Schinesen, sein Bruder kommt aus dem Knast und verspielt das Restaurant, der Hexenschuss bleibt beharrlich im Rücken stecken und der Gourmetkoch weigert sich Fritteusenfood zu kochen.

“Find ich geil, wie manchmal nach dem Schnitt Zeit und Ort wechseln, aber das Gespräch unlogischerweise kohärent bleibt. Jump Cuts der anderen Art.” Wieder schaut Henry verwirrt und ich nehme mir vor, nichts mehr zu sagen, bis der Film zu Ende ist. Aber jetzt fängt Henry an: “Also, wie meinst du das denn?” Ich antworte: “Denkst du, wenn es Gaumenrassisten gibt, die nur essen, was sie kennen, gibt es dann auch Augenrassisten, die nur Hollywood schauen?”

Tristan hätte gelacht. Ach ja, der Plot: Die einen kommen sich näher, die anderen gehen auseinander. Und hier die wirklich artikulierte Kurzkritik: ein paar berührende Momente, ein paar weise Weglassungen in Bezug auf die Story, ein paar spielfreudige Schauspieler und dann halt doch noch ein paar doofe Billigwitze. Schauen!

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(Soul Kitchen, De 2009, Regie: Fatih Akin, Schauspieler: Adam Bousdoukos, Moritz Bleibtreu, Birol Ünel)

David Lynch und “Return of the Jedi”

Wer hätte das gedacht? George Lucas hat David Lynch als Regisseur für einen Star Wars angefragt. Damals. Nur schon die Tatsache der Anfrage ist amüsant. Und amüsant ist, wie David Lynch diese Anekdote erzählt.

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Best of 2009

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1. The Limits of Control (Jim Jarmusch)

Ein leiser, aber kraftvoller Film, der Bilder aus der Grenzwelt zwischen Traum und Wirklichkeit auf die Leinwand zaubert, ein Nachgrollen in festgefahrene Sehgewohnheiten donnert und die Dominanz der westlichen Zeichenwelt an den Pranger stellt.

2. Inglourious Basterds (Quentin Tarantino)

Von nun an mein liebster Tarantino, dem ich erst die alten Zwiespältigkeiten angelastet habe, der nun aber wächst und wächst, mir vor allem ans Herz. Kino, das sich nicht nur gegen die Geschichte stellt, vielmehr gegen die Zeichengewalt der Nazis und gegen den stets hilflosen Versuch der (Kino-)Kultur sich von den Gegenzwängen, welche diese Zivilisationskatastrophe hinterlassen hat, zu befreien.

3. Antichrist (Lars von Trier)

Der Mann, die Frau, das Kind. Es stirbt. Zurück bleibt eine gefährliche Mixtur aus Bibel, Mittelalter, Sigmund Freud und Friedrich Nietzsche. Ein verstörender Kampf von Mann und Frau in der Natur (gegen die Natur) bricht aus.

4. Der Knochenmann (Wolfgang Murnberger)

Krimi der anderen Art. Ein paar wenige, markante Schauplätze, die einem treibenden Plot eine Bühne bieten. Schauspieler, die ihre Eigenarten gerade eben in ihrem funktionierenden Miteinander zur Geltung bringen. Und ein schwarzer Humor, der Skurillität und Situationskomik verbindet. Selten so gelacht.

5. Zack and Miri Make a Porno (Kevin Smith)

Ein Film über Freundschaften. Hauptsächlich. Und über die Liebe. Die Story ist eine Parodie auf die immergleichen romantischen Komödien und könnte leicht misslingen. Kevin Smith gelingt das Kunststück, aus einer aberwitzigen Geschichte, die vor allem aus deftigen Sprüchen und manch einer Geschmacklosigkeit besteht, den berührendsten Film des Jahres zu machen.

Flügelspitzen

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Auszug aus der fünfteiligen Serie Flügelspitzen.

Screenology #27: Whatever Works

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(Illustration: Emma Isacson)

Es regnet. Seit zwei Monaten regnet es. Seit Wochen wächst meine Liste der unerledigten Dinge in die unendlichen Weiten des Weltalls. Ich sitze am Computer und beantworte E-Mails, deren Dringlichkeitsstufe die Kündigung der Freundschaft erreicht haben. Ich sollte noch… Dabei ist heute Sonntag. Dies und jenes… Sonntagnachmittag. Temporalinsolvenz nennt man die Unfähigkeit, die Zeit und die Aufmerksamkeit, die man Familie und Freunden schuldet, zurück zu zahlen. Ich nehme Jacke und Schirm und verschwinde ins Kino.

Sie fragt: „Wo möchten Sie sitzen?“ Ich antworte: „Egal.“ In jeder Reihe befindet sich ein Pärchen. Ich frage mich, ob es verkaufsstrategische Regeln gibt, wie die Kinoplätze zu vergeben sind. Jede Ticketverkäuferin hat so ihre Methode. Manche füllen erst die Reihenmitten, manche lassen für eine gute Sicht vorerst die jeweiligen Vorderplätze frei. Und manche verteilen die Grüppchen mit möglichst grossen Abständen in die Kinoreihen.

Ich habe also eine Reihe für mich und freue mich auf Plauderwoody. Gleich zu Beginn bricht Boris Yellnikoff (Larry David) die vierte Wand und spricht zum Publikum. Das ist zwar, wenn auch nicht neu, eine lustige Idee – schliesslich sieht Boriswoody das grosse Ganze, wie er immer sagt –, leider versanden seine Sprüche nach und nach in der trockenen Luft des Kinosaals.

Boris Yellnikoff, die typische Woody-Allen-Figur, ist alt und Misanthrop aus Überzeugung und erzählt die typische Woody-Allen-Geschichte. Als selbsternanntes Genie, ehemaliger Physikprofessor in Quantenmechanik, trennt er sich von seiner Frau, überlebt einen Selbstmordversuch und lehrt nun Kindern Schach, indem er sie fortlaufend beleidigt. Eines Nachts trifft er eine junge Ausreisserin (Evan Rachel Wood), die sich bei ihm einquartiert und die er nicht mehr los wird. Sie ist die dramaturgische Antipodin, naiv und lebensfreudig. Sie heiraten.

Nun werden die Beziehungsmöglichkeiten durchdekliniert. Die Mutter der jungen Braut hält sich eine ménage à trois. Der Vater wird schwul. Die Braut selbst wendet sich einem Jüngeren zu. Und Boris trifft beim zweiten Selbstmordversuch eine Hellseherin. Mir ist’s egal.

Larry David bringt die intelligente Bitterkeit seiner Rolle nie überzeugend auf die Leinwand. Seine Lebensfeindlichkeit wirkt aufgesetzt wie bei einem kleinen Kind, das getröstet werden möchte. Das Drehbuch pflatscht gegen das Ende hin irgendwelche Beziehungsgeschichten auf die Story, ohne sich um die Figuren zu kümmern. Ich bin dafür, dass wir Woody einen Temporalbonus ausbezahlen, damit er wieder aus New York kommt und sorgfältige Drehbücher schreibt.

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(Whatever Works, USA 2009, Regie: Woody Allen, Schauspieler: Larry David, Evan Rachel Wood)